Meine Zeit in China

 

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„The Golden Week“ Teil 1: Guilin und die Reisterrassen von Longji

Am 1. Oktober war Nationalfeiertag in China. In dieser Woche haben alle Chinesen Ferien, und ich auch – „The Golden Week“. Deshalb ist das nicht gerade die perfekte Reisezeit, weil alle Urlaubsorte voller Touristen sind.

Meine Reisepartner für diese Woche waren natürlich Felix und Janine.  Normalerweiße reicht es eine Woche vorher Zugfahrkarten zu kaufen. Zur Golden Week nicht. Wir haben also keine Sitzplatzreservierung gehabt und haben uns deshalb auf 5 Stunden stehen eingestellt. Waren zum Glück zu 2.  Zur Pünktlichkeit der Bahn: Ich werde mich nie mehr über die deutsche Züge beschweren…  Obwohl wir noch Hoffnung haben.

Generell ist Zugfahren hier anders. Man geht nicht einfach in den Bahnhof, schaut in die Geschäfte rein und stellt sich dann kurz vor Abfahrt ans Gleis. In China dürfen nur Gäste mir Fahrkarten den Bahnhof betreten. Dann wird erst einmal das Gepäck durchleuchtet und man selbst auch (also ähnlich wie am Flughafen). Im Bahnhof warten anschließend alle Passagiere in einer Wartehalle auf ihren Zug, bis sie durch Gittertüren zu den Gleise öffnen. Wenn das Personal dann das OK gibt, machen sich die Passagiere auf dem Weg zu ihrem Wagon, nicht vorher.

Unser erstes Urlaubsziel war Guilin, eine Stadt im Norden der Provinz Guangxi. Guilin ist bekannt für die schöne Karstlandschaft. Nicht nur chinesische Touristen besuchen  diese Stadt, sondern auch viele westliche. Deshalb gibt es in der Einkaufsstraße neben einem großen und günstigen Markt für   gutes chinesisches Essen auch viele Restaurants, die Pizza, Spagetti und Steaks verkaufen. Außerdem gibt es bekannte Klamottenläden wie Jack & Jones, und Bäckereien mit Macarons! Es gibt sogar überall Postkarten zu kaufen. Aber auch gerade weil alles so westlich ist, ist dort im Vergleich zu Nanning alles viel teuer. Man muss an den Souvenirständen unbedingt handeln und auf jeden Fall in chinesischen Preisen denken und nicht in europäischen.

Am ersten Tag in Guilin haben wir erst einmal die Gegend der „2 Flüsse und 4 Seen“ erkundet. In einem dieser Seen, dem Shan-See, stehen die beiden Zwillingspagoden der Sonne und des Mondes, die nachts wunderschön beleuchtet werden.


Am 2. Tag haben wir die Rohrflötenhöhle besucht. Das ist eine riesige Tropfsteinhöhle, die für die Besucher kunterbunt ausgeleuchtet wird. Wir fanden nur schaden, dass Chinesen auf den Tropfsteinen herumspazieren und damit eigentlich alles kaputt machen. Dieses Foto zeigt einen See in dieser Tropfsteinhöhle:


Nach dem Besuch in der Rohrflötenhöhle sind wir dem Rate unsere Lonely Planets gefolgt und auf den „Berg des gefalteten Brokats“ gestiegen, weil man von dort die beste Aussicht haben sollte. Und unser Reiseführer hatte mal wieder Recht: Man konnte über ganz Guilin schauen und die Karstberge im Hintergrund bewundern. Wir hatten noch dazu das Glück bei Sonnenuntergang dort oben zu sein.


Eines unserer Hauptziele in unserem Urlaub waren die Drachenknochen-Reisterrassen von Longji. Es gibt 2 Gebiete: die Terrassen um das Dorf Ping’an und die Terrassen um das Dorf Dazhai.  Wir sind von unserm Hostel mit einem kleinen Bus nach Dazhai gefahren, weil dort angeblich die Terrassen schöner sein sollen als in Ping‘an. Aufgrund der Golden Week haben wir nur leider 4 Stunden dahin gebraucht und mussten auch noch die letzten 2 Kilometer zum Eingang laufen, weil keine Autos mehr fahren konnten. Den ganzen restlichen Tag sind wir dann durch die Reisterrassen gewandert (ca. 2 Stunden aufstieg bis zum Aussichtspunkt). Wir haben aber leider nur 2 Aussichtspunkte geschafft, weil die Terrassen so groß waren.  Dabei konnten wir nicht immer den "klar markierten Wegen" folgen... Den Anblick über die Terrassen kann man nicht beschreiben! Der Ausflug, so anstrengend er auch war, er hat sich gelohnt! Bei uns im Oktober waren die Reisterrassen bereits gold-gelb und eigentlich bereit für die Ernst. Aber die Einwohner warten mit der Ernte bis nach der Golden Week, damit auch viele Besucher kommen.


Die Einwohner dort gehören vor allem zu den Minderheiten der Yao und Zhuang. Uns hat ein wenig schockiert, dass sich chinesische Touristen von den teilweise recht alten Einwohnern die Stufen zu den Reisterrassen haben hochtragen lassen, weil ihnen der Weg zu anstrengend war.

Mehr haben wir uns in Guilin nicht mehr angeschaut. Obwohl es noch viele schöne Parks und den bekannten „Hügel des Elefantenrüssels“ gibt. Dafür haben wir in den nächsten Tagen die Landschaft rund um Yangshuo genossen!

8.10.13 15:55


„The Golden Week“ Teil 2: Lijang und die Gegend von Yangshuo

Guilin soll angeblich die schönste Landschaft in China haben. Die Chinesen sagen, dass sie nur noch von der Landschaft in Yangshuo übertroffen werden kann. Wann man in Guilin ist, fällt  es einem schwer dies zu glauben. Ist aber wirklich so, Yangshuo ist noch besser!

Von Anfang an: Da wir nicht wussten, was wir noch einen ganzen Tag in Guilin machen sollten, sind wir erst einmal mit dem Bambusfloß auf den Lijang gefahren. Wir sind in Yangdi auf das Floß gestiegen und dann fast bis zum Dorf Xinping auf dem Wasser gefahren. Die  Landschaft vom Wasser aus ist wirklich atemberauben.  Das Foto zeigt uns drei kurz vor der Bambusfloßfahrt in Yangdi.


Die Chinesen geben den Bergen alle Namen wie „Nine hores hill“. Nur braucht es angeblich dem neben dem tatsächlichem Berg (30%) noch  60% Phantasie und 10% Erklärung, um etwas zu erkennen. Uns fehlt offenbar die Phantasie. Das Dorf Xingping selbst ist ein schönes altes Dorf mit vielen kleinen Läden und Kaffees und wunderschöner Landschaft.


Von Xinping sind wir mit dem Bus nach Yangshuo gefahren. Der war so voll, dass man uns auf Holzhockern in den Gang gesetzt hat. Eigentlich hatten wir vor gehabt, gleich in Yangshuo zu bleiben. Aber wir konnten unsere Hostels nicht mehr umbuchen und mussten deshalb noch einmal nach Guilin zurück. So eine lange Schlange am Busbahnhof habe ich noch nie gesehen! An diesem Tag warn unglaublich viele Besucher in Yangshuo. Zum Glück wurde es dann weniger…

Am nächsten Tag sind wir dann wirklich nach Yangshuo gefahren. Die Preise für Bustickets haben in 3 Tagen übrigens erstaunlich stark geändert – immerhin wurden sie billiger. Auf jeden Fall hatten wir in Yangshuo ein wunderschönes Hostel. Hier haben wir uns am letzten Morgen noch einmal ein richtiges Frühstück gegönnt und ich mir meine aller erste heiße Schokolade in China!

Die Landschaft in Yangshou selbst ist nicht ganz so schön, wie die in der Umgebung. Dafür ist die Innenstadt richtig klasse. Besonders die „West Street“. Das ist eine Shopping Straße mit vielen, vielen kleinen Geschäften. Besonders gerne werden hier Schals in allen möglichen Farben und Mustern verkauft.  Außerhalb der "West Street" gibt es unzählige kleine Restaurants,  einen deutschen Biergarten und viele kleine Bars.


Da man die Landschaft um Yangshuo angeblich am besten mit dem Fahrrad erkundet, haben wir uns welche für 20 yuan ausgeliehen. Man hatte dann die Wahl zwischen einem pinken oder einem blauen Fahrrad, ohne Gangschaltung und mit viel zu harten Satteln – aber es fährt. Den ersten Tag haben wir eine kleine Tour südlich von Yangshuo gemacht. Sie sollte 4 Stunden gehen, wir haben 3 gebraucht – trotz Fotostops (chinesische Zeitangabe eben). Die Tour war recht einfach, weil es nur eine Straße gab, die durch die Dörfer gegangen ist. Es ist immer wieder erstaunlich, dass nur wenige Kilometer von einem Touristenzentrum entfernt so arme Dörfer liegen können…

Am zweiten Tag in Yangshuo haben wir eine länger Fahrradtour gemacht. Dieses Mal sind wir am Yulong Fluss entlang gefahren. Unser erstes Ziel war die Drachenbrücke.


Dieser Teil hat auch noch gut funktioniert. Der Rückweg war dann schon schwieriger. Woher sollten wir auch wissen, dass eingezeichnete Wege bzw. Straßen auf unsere Karte auch Trampelfpade sein können, bzw eben doch nicht? „Mei you lu“ – "keine Straße", hat uns ein Bauer versucht zu erklären. Ganz Unrecht hatte er damit nicht. Die Straße war eher ein Pfad durch die Reisfelder. Aber irgendwie haben wir es dann doch noch zum Mondberg geschafft. Da wir nun schon mal da waren, sind wir eben noch hoch gewandert, um ein letztes Mal die Aussicht auf die Landschaft genießen zu können.  Schlussendlich waren wir an diesem Tag 9 Stunden mit dem Fahrrad unterwegs. Sonnencreme wäre da vielleicht nützlich gewesen... Aber immerhin hatten wir uns ja einen Hut gekauft. Damit kann man wirklich gut Fahrrad fahren

Und dann war es leider auch schon wieder Zeit zurück zu fahren. Wir hatten schon 45 Minuten Verspätung bis der Zug überhaupt losgefahren ist. Dieses Mal hatten wir sogar Sitzplätze, was wir leider erst nach 3 Stunden Fahrt erfahren haben. Aber wir haben die Chinesen dafür gut mit Musik unterhalten.

Manchmal ist die Welt übrigens doch kleiner, als man denkt. Zum Beispiel haben wir die anderen Assistant Teacher aus Liuzhou zufällig in Yangshuo getroffen, und auf der Rückfahrt sind wir dem gleichen Studenten von unserer Uni wieder begegnet, den wir auf unsere Hinfahrt kennen gelernt haben.

8.10.13 18:41


Über chinesisches Essen...

Da ich immer wieder gefragt werde, wie es denn in China so mit dem Essen aussieht, sollte ich vielleicht mal davon berichten. Also, bis jetzt war wirklich alles essbar! Man muss eben nur mit Stäbchen essen können...

Im Prinzip hat man hier die Auswahl zwischen Reis, Nudeln und Dumplings. Aber meistens gibt’s Reis, da im Süden viel Reis angebaut wird. Man isst auch zu jeder Tageszeit auch so ziemlich das Gleiche. Und wer kein scharf oder kein Fleisch mag, hat es hier wirklich schwer. Dass Felix weder das eine noch das andere essen kann, stößt auf breites Unverständnis.

Das hier z.B. ist eine richtig lecker aber auch wirkliche scharfe Mahlzeit aus einem Hotpot-Restaurant.


Zum Frühstückt isst man in China warm. Meistens gibt es eine Suppe mit Nudeln. Ein beliebtes Getränk zum Frühstück ist Sojamilch. Sieht aus wie Milchkaffee, schmeckt aber wirklich seltsam. Auf der Straße verkaufen Händler außerdem bereits früh morgens Teigwaren wie baozi oder mantou, die mir persönlich wirklich gut schmecken! Generell findet man in China wirklich zu jeder Tageszeit und an jeder Straßenecke irgendetwas zu essen und das meiste auch noch  unglaublich billig. McDonald ist teuer dagegen!

Wenn man in China in ein Restaurant geht, dann sitzen alle an einem runden Tisch zusammen. Jeder bekommt eine Schale für Reis und Suppe, einen kleinen Becher für den Tee, einen kleinen Teller für die Reste, Essstäbchen und einen kleinen Löffel. Das Essen wird nicht für jeden einzeln bestellt, sondern für alle zusammen. Es stehen also meist viel zu viele Gerichte in der Mitte des Tisches auf einer drehbaren Platte. Jeder kann sich dann ganz einfach nehmen , was er möchte. Tee bekommt man immer, egal, ob man will oder nicht. Reis gibt es auch zu jeder Mahlzeit und natürlich Suppe am Anfang. Dazu gibt es dann noch alle möglichen Sorten von Gemüse, häufig Tofu, Fleisch (immer mit Knochen) und Fisch (meistens noch mit Gräten). Was man davon nicht essen kann wird dabei einfach ausgespuckt und auf dem Teller gelegt, egal wie nobel das Restaurant ist. Und wenn es keinen Teller gibt? Auch nicht schlimm, wozu hat man denn eine Tischplatte? Ich glaube, daran werde ich mich nie so richtig gewöhnen können. Außerdem ganz wichtig, wenn man eingeladen ist: Nie alles aufessen, sondern immer etwas liegen lassen! Ein leerer Tisch wäre unhöflich.

Nach dem Essen spielen die Chinesen außerdem gerne Trinkspiele. Als ich letzte Woche zum Abendessen eingeladen worden bin, durfte ich eins lernen (Normalerweise spielt man das Spiel im lokalen Dialekt, aber ich durfte es zum Glück auf Englisch spielen!). Bei  diesem Speil spielen immer zwei Personen gegeneinander (ähnlich wie Schere-Stein-Papier). Jeder zeigt mit einer Hand eine Zahl von 1 bis 5, die dann zusammen addiert werden. Gleichzeitig sagen beide eine Zahl von 1 bis 10. Wenn jemand dabei die Summer der gezeigten Zahlen richtig tippt, muss der andere trinken.

Auch chinesischen Nachtisch haben wir bereits probiert.  Komischerweise hatte ich bis jetzt fast immer Tofu mit Bohnen und Wurzeln.


Soll angeblich süß schmecken. Aber das chinesische Verständnis von „süß“  ist eben anders als unsers. Zum Beispiel schmecken „süße“ Kekse auch nicht wirklich süß. Aber was habe ich von einer Freundin gelernt? Man darf einfach nicht den gleichen Geschmack erwarten, den man in Deutschland erwarten würde, dann schmeckt so ziemlich alles! Außer vielleicht die Schokolade.

 

17.10.13 15:39


Ein Päckchen von zu Hause - man braucht eben viel Geduld

Es hat funktioniert! Das Päckchen ist angekommen – so ganz daran geglaubt haben wir ja nicht. Aber jetzt habe ich einen schönen Vorrat von Schokolade… Danke! Eigentlich ist das Päckchen schon 10 Tage vorher in China angekommen. Aber das Postamt wusste leider nicht genau, an wen das Päckchen gehen sollte. Schlussendlich hat es geklappt! Beruhigender Gedanke...
 
Man braucht in China eben manchmal sehr viel Geduld. Das haben wir hier bereits gelernt. Letztes Wochenende zum Beispiel war so viel Verkehr auf der Straße, dass wirklich nichts mehr vorwärts ging. Das einzige was half, war aussteigen, erst mal Abendessen und es danach noch einmal probieren. Dabei sind wir 4 Studenten von unserer Uni begegnet. Sie waren so unglaublich aufgeregt, weil sie das aller erste Mal in Ihrem Leben Ausländer getroffen haben! Und da es eine so unglaublich Ehre war, mit uns zu sprechen, wollten sie natürlich auch unsere Abendessen bezahlen…
 
Ebenfalls viel Geduld haben wir in Bezug auf unseren Wasserspender gebraucht. Nachdem wir die Lehrer darauf hingewiesen hatten, dass es hieß, dass wir Trinkwasser gestellt bekommen, haben wir zunächst einen Wasserkocher bekommen (wir hatten eigentlich schon einen). Dazu gab es dann noch Plastiktrinkflaschen. Also haben wir zunächst immer Wasser abgekocht, nur um es dann im Kühlschrank gleich wieder zu kühlen. Diesen Aufwand können wir uns jetzt zum Glück sparen.  Im Nachhinein sind wir von den Englischlehrern der Universität gewarnt worden zu viel abgekochtes Leitungswasser zu trinken, weil es zu stark belastet sei und uns davon die Haare ausfallen würden. In solchen Momenten ist man dann vielleicht doch froh, dass man nur ein halbes Jahr in China bleibt…
22.10.13 18:19


English Corner

Letzte Woche haben wir so etwas wie eine Englisch AG aufgemacht. Dort nehmen die besten Schüler der jeweiligen Klassen dran teil. Es macht wirklich Spaß und es tut auch richtig gut, eine Stunde mit motivierten Schülern zu haben, die etwas lernen möchten! Bis zum Neujahr sollen wir mit ihnen ein kleines Theaterstück einüben. Aber in der letzten Stunde haben wir sie erst einmal Geschichten schreiben lassen. Jeder durfte immer nur ein Satz schreiben und musste dann die Geschichte an den Nachbarn weitergeben. Dabei sind teilweise richtig lustige Geschichten entstanden.

Und ich glaube, wir dürfen auch einmal stolz auf uns sein: Zumindest ein paar Schüler können sich an den Unterricht von dieser Woche –Thema: Zoo - erinnern: Sie schreiben über die Tiere, die wir behandelt haben.

 

Mit dem English Corner endet  unser Arbeitstag damit Donnerstags ab sofort immer um 19 Uhr. Felix und mich erstaunt dabei, wie viele Schüler so spät noch in der Schule sind. Anscheinend lernen sie bis halb 10 Uhr abends. Und das jeden Tag. Das bedeutet, dass die Schüler von morgens bis abends praktisch nur in der Schule sind und lernen. Ziemlich hart, finden wir. Denn Zeit für sich und mögliche Hobbies scheinen die Schüler hier überhaupt nicht zu haben…

24.10.13 18:30


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